Manchmal braucht es etwas Druck, um wieder besser an den Start zu kommen. Nicht den unangenehmen Druck von außen, sondern einen positiven Druck.
Einen Termin im Kalender, der sich nicht verschieben lässt. Ein Ziel, das näher rückt und einen daran erinnert, warum man überhaupt angefangen hat zu laufen.
Genau so ging es mir in den letzten Wochen.
Natürlich kann man sich vornehmen, wieder regelmäßiger zu laufen. Man kann sagen: „Ab nächster Woche gehe ich wieder öfter raus.“ Oder: „Wenn das Wetter besser wird, fange ich wieder richtig an.“
Doch wir Läufer kennen das alle. Aus nächster Woche wird schnell der nächste Monat. Aus einer kleinen Laufpause werden plötzlich mehrere Wochen. Das Leben hat immer gute Argumente auf Lager, warum man heute nicht laufen kann.
Deshalb habe ich beschlossen, mir wieder ein konkretes Ziel zu setzen.
Die Suche nach einem Halbmarathon
Also machte ich mich auf die Suche nach einem passenden Lauf.
Gefunden war er schneller als gedacht. Düsseldorf ist für mich fast immer ein Heimspiel und deshalb fiel die Wahl auf den Rhein-City-Run im Oktober.
Mit diesem Lauf verbinde ich ohnehin viele gute Erinnerungen.
Vor einigen Jahren bin ich dort bereits gestartet und habe damals meinen ersten Halbmarathon unter zwei Stunden geschafft. Wer schon einmal lange auf diese magische Marke hingearbeitet hat, weiß, wie besonders sich dieser Moment anfühlt. Man vergisst seine erste Zeit unter zwei Stunden nicht.
Die letzten Kilometer, der Blick auf die Uhr, die Anspannung und schließlich die Erleichterung im Ziel. Solche Erlebnisse bleiben lange im Kopf und machen einen Lauf zu mehr als nur einer sportlichen Veranstaltung.
Eine Strecke, die Spaß macht
Auch die Strecke selbst ist einer der Gründe, warum ich mich wieder für diesen Lauf entschieden habe.
Der Start liegt direkt am Rhein in Düsseldorf. Anschließend führt die Strecke über viele Kilometer am Wasser entlang. Man läuft mit Blick auf den Fluss, vorbei an Spaziergängern, Radfahrern und den typischen Rheinwiesen.
Gerade an sonnigen Herbsttagen hat die Strecke eine besondere Atmosphäre.
Nach etwa zwei Dritteln der Distanz verlässt man das Rheinufer und läuft durch die Felder in Richtung Duisburg. Dort wird es etwas ruhiger. Die Landschaft öffnet sich und man kann den Rhythmus der eigenen Schritte genießen.
Was ich an dieser Strecke besonders mag: Sie ist flach.
Natürlich macht auch eine bergige Strecke ihren Reiz aus. Aber wenn man eine gute Zeit laufen oder einfach einen Halbmarathon genießen möchte, ist eine flache Strecke ein echter Vorteil.
Gemeinsam statt allein
Das Schönste an diesem Halbmarathon ist aber etwas ganz anderes.
Ich werde ihn nicht alleine laufen. Den Junior habe ich direkt mit angemeldet.
Wer Kinder hat, weiß, wie schnell die Zeit vergeht. Eben hat man ihnen noch das Fahrradfahren beigebracht und plötzlich steht man gemeinsam an der Startlinie eines Halbmarathons. Solche Momente sind unbezahlbar.
Natürlich habe ich keinerlei Illusionen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er mich auf der Strecke irgendwann stehen lassen wird. Wahrscheinlich deutlich früher, als mir lieb ist. Aber genau darum geht es gar nicht.
Es geht um die gemeinsame Vorbereitung, die Gespräche über das Training und die Vorfreude auf den Wettkampf. Es geht darum, ein gemeinsames Erlebnis zu schaffen, an das wir uns noch Jahre später erinnern werden.
Die Zielzeit wird irgendwann vergessen sein. Die Erinnerung daran wahrscheinlich nicht.
Diesmal mit Plan
Damit die Vorbereitung diesmal etwas strukturierter verläuft, habe ich mir einen Trainingsplan für 16 Wochen erstellt.
Früher bin ich oft einfach losgelaufen. Mal mehr, mal weniger. Mal schneller, mal langsamer. Das funktioniert bis zu einem gewissen Punkt auch ganz gut. Doch ein Trainingsplan hat einen großen Vorteil: Er nimmt einem viele Entscheidungen ab.
Man muss nicht jeden Tag überlegen, was man heute laufen sollte. Der Plan sagt es einem bereits. An manchen Tagen steht ein lockerer Lauf auf dem Programm. An anderen Tagen ein etwas schnelleres Training oder ein längerer Lauf am Wochenende.
Gerade für Menschen wie mich, die neben Beruf, Familie und anderen Verpflichtungen trainieren, schafft das eine gewisse Verbindlichkeit. Und genau diese Verbindlichkeit brauche ich manchmal.
Der erste Schritt ist gemacht
Die 16 Wochen sollten mehr als ausreichend sein, um wieder in einen guten Laufrhythmus zu kommen. Dabei geht es für mich nicht nur um eine bestimmte Zeit auf der Uhr.
Natürlich freue ich mich, wenn am Ende eine Zeit herauskommt, mit der ich zufrieden bin. Aber mindestens genauso wichtig ist etwas anderes. Wieder regelmäßig die Laufschuhe zu schnüren. Wieder draußen unterwegs zu sein. Wieder dieses gute Gefühl nach einem Lauf zu haben, wenn man nach Hause kommt und weiß, dass man etwas für sich getan hat.
Denn am Ende beginnt jeder Halbmarathon nicht an der Startlinie. Er beginnt an dem Tag, an dem man die Entscheidung trifft, sich anzumelden. Der Rest sind einfach viele kleine Schritte.
Und genau diese kleinen Schritte beginnen für mich heute.
